Die nächsten Konzerte

Donnerstag, 21. April 2016, 19.30 Uhr | Asamsaal, Schloss Ettlingen

Leipziger Liedertafel – Ensemble Nobiles

Das im Januar 2006 gegründete Vokalsolistenensemble bestehend aus fünf ehemaligen Mitgliedern des Thomanerchores Leipzig erhielt u.a. Anregungen vom Ensemble amarcord und dem Hilliard-Ensemble.
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Aktuelles

BNN vom 18.10.2014, Ausgabe Nr. 241, S. 14: Eins mit der Musik

Fabio Martino in Ettlingen
Er schickt sich an, eine Weltkarriere zu beginnen und vielleicht bald mit weltweit bekannten Pianisten in einem Zuge genannt zu werden: der aus Brasilien stammende Pianist Fabio Martino, der nach Studien in seiner Heimat auch an der Musikhochschule Karlsruhe ausgebildet wurde und inzwischen auf eine ansehnliche Zahl von Preisen bei Klavierwettbewerben zurückblickt, eröffnete mit einem Klavierrezital die neue Konzertsaison der Fördergemeinschaft Kunst im Asamsaal des Ettlinger Schlosses. Schon gleich zu Beginn beeindruckte in Franz Liszts bekannten drei Nocturnes – besser als Liebesträume bekannt – Fabio Martinos voller und sonorer Klavierton, mit dem er auch in leisen Passagen den akustisch exzellenten Asamsaal ausfüllte und das Auditorium so quasi eins mit der Musik werden ließ. Martino versteht jedoch nicht nur die leisen Stellen mit Leben und Intensität zu erfüllen, sondert entfacht auch an musikalischen Höhepunkten ein wahres Klangfeuerwerk. Dabei bleibt sein Spiel trotz zum Teil enormer Lautstärke stets klar und verständlich; die Einbettung extrovertierter Ausbrüche – die sich sicherlich auch aus Martinos südamerikanischem Temperament speisen – in den musikalischen Kontext gelingt ihm jedoch stets so intelligent, dass sich jeder Verdacht von Kraftmeierei und Effekthascherei im Nu verflüchtigt.
So gelang ihm nicht nur eine stimmige Gesamtschau über die drei Lisztschen Liebesträume, sondern auch über Robert Schumanns C-Dur-Fantasie op. 17. Neben dem rauschenden Beginn bestach auch sein Herangehen an den horrend schweren zweiten Satz, durch dessen Schwierigkeiten er sich nicht zu Hektik und Kurzatmigkeit verleiten ließ, sondern das rechte Maß wahrte.
Einen schönen und durchdachten Kontrast bot er im zweiten Teil mit Haydns h-Moll-Sonate – solcherlei „kleinere“ Werke werden ja häufig gleich zu Beginn „abgearbeitet“, aber durch die Platzierung im Herzen des Abends geriet diese klar und wie aus einem Guss gespielte Sonate in ein ganz anderes und angemessenes Licht. Hierzu wiederum gegensätzlich war dann die abschließende A-Dur-Sonate Sergej Prokofjews, in denen Martino in den Ecksätzen zeigte, dass ihm, wo angemessen, auch das hart-martialische, maschinengleiche und nicht nur empfindsame Spiel durchaus eigen ist. Mit mehreren Zugaben bedankte er sich beim begeisterten Publikum.
-hd.

BNN vom 15.03.2013: Weit mehr als nur technische Perfektion

Peijun Xu konzertiert im Asamsaal des Schlosses Ettlingen mit Werken von Hindemith, Kodály und Bach
Diese Erscheinung. Das simple violette Kleid, die Bratsche und so viel, das das Auge nicht sehen kann. Ein musikalisches Moor. Und eine Künstlerin, die ihr Publikum – sie war am Mittwochabend auf Initiative der Fördergemeinschaft Kunst – in den Asamsaal des Schlosses Ettlingen gekommen – mit jeder Note tiefer hineinzieht und damit in sein unentrinnbares Schicksal führt, das nichts Geringeres bedeutet, als überwältigt zu werden: Peijun Xu. Zoltán Kodálys Bearbeitung der ehemaligen Cembalo-Fantasie von Johann Sebastian Bach ist nur das anfängliche Hypnosespiel, das dieser wuchtigen Mission den Weg ebnet. Was kümmern Peijun Xu die Brechungen und Läufe, mit denen Bach einst wohl prüfen wollte, wer sein Werk wahrhaft zu interpretieren vermag und wer nicht? Sie, die hochvirtuos, aber auch angriffslustig und mutig kann, zieht feine Linien durch das Klanggemälde und beweist sich als Künstlerin, die fähig ist weit mehr als technische Perfektion zu zeigen. Spätestens bei Max Regers Solo- Suite in D-Dur wirkt sich das erstmals richtig aus. Herrlich spielt die gebürtige Chinesin hier mit den Farben und schafft es fast etwas Frühlingshaftes und Volkstümliches in den Ton zu heben. Doch der Augenblick heller Freude ist stets fragil, fast transparent und niemals sicher. Dass er bricht, ist allzu wahrscheinlich, denn Schönheit ist in der Moderne eben nie auf Dauer angelegt. Xu ahnt das sehr genau und lässt den Sonnenschein nur durch dichte Äste scheinen – die Betrübnis erwartend. Mit Paul Hindemith gibt sie da gerade dem Rechten die Hand. Wie eine Breitseite bauscht sich die Solo-Sonate zu einem mächtigen Sturm auf, der an Bord bald nur noch eine Diagnose zulässt: Leck geschlagen. Wie eine Faust in die Magengrube trifft Hindemith in diesem Augenblick die Gemüter. Peijun Xu vollführt diesen Kampf ganz wunderbar, und lässt auch ihre Zuhörer spüren, wie eisig sich ein jeder Ton anfühlt, den sie die Fluchten hinuntertreiben muss. Und dennoch bleibt sie die Meisterin der Situation und ist sich ihrer Übermacht ganz bewusst. Mit den Worten „Tonschönheit ist Nebensache“ hat Hindemith seinen dritten Satz einst bezeichnet. Man tut ganz recht daran, das auch bei Peijun Xu zu erkennen, denn ob nun bei Hindemith, oder bei Garth Knox’ „Fuga Libre“ – das fast ein wenig an Paganini erinnert – es geht nicht um Schönheit. Es geht um die Involvierung des Zuhörers, der sich der Wirkung dieser Musik nicht widersetzen kann, ja, ihr schutzlos ausgeliefert ist. Das ist weder ästhetisch noch technisch erklärbar, nur die Emotion kann es fassen, weil das, was hier hörbar wird, nichts weniger ist, als die Seele der Musik, zu der Peijun Xu ihr Publikum führt. Die Seele der Musik, wie sie sie interpretiert. Das bringt selbst den routinierten Zuhörer an Abgründe, die erschrecken müssen, weil sie allzu selten offenbar werden. Wenn dann zum Schluss des Konzerts Johann Sebastian Bachs d-Moll-Partita ertönt, ist das nicht weniger, als der unmöglich scheinende Kompromiss zwischen bedingungsloser Huldigung und künstlerischem Hochamt. Das soll ihr erst einmal jemand nachmachen.
(Markus Mertens)

BNN vom 24.11.2012: Meisterliche Geschwister

Konzert im Asamsaal
Die Folklore hat ein ausgeprägt bewahrendes Moment. Sie konserviert das anonym Schöpferische eines Volkes, seine Ansichten und Interessen, seinen künstlerischen Geschmack. Insoweit war das Motto „Musik zwischen Folklore und Moderne“, mit dem das Duo Papadopoulos (Marie-Claudine Papadopoulos, Violine; Dimitri Papadopoulos, Klavier) im Asamsaal des Ettlinger Schlosses ihr Publikum auf das Beste unterhielten, irreführend: Das französische Geschwisterpaar griechischer Herkunft spielte Werke von Beethoven, Ravel, Violetta Dinescu, Iannis Constantinidis und Gershwin – allenfalls die Suiten von Constantinidis oder nach Gershwin mögen in diesem reichen Kontext folkloristische Tupfer gewesen sein. Was den beiden Künstlern jedoch meisterhaft gelang, war ein mit Repertoireschätzen angefüllter Kammermusikabend, der die ganze Bandbreite des gemeinsamen Musizierens von Violine und Klavier entbot. Schon im ersten Teil mit Sonaten von Beethoven (op. 30, Nr. 2) und Ravel wurde klar, dass hier zwei außergewöhnliche Musiker harmonieren: Die Violine, leidenschaftlich, mit bald jähen Akzenten geführt, kraftvoll und ausdrucksstark, das Klavier mit ruhiger und diskreter, aber steter Präsenz und im gogischen Fluss stabilisierend. Hier wird nicht nur zusammen musiziert, hier wird zusammen geatmet, erzählt, erlebt. Das gilt, neben der violinsolistisch höchst diffizilen „Étude de nuages“ von Violetta Dinecu (das Stück entstand in diesem Jahr als Auftragswerk), auch für die Duo-Suite über dodekanesische Themen von Constantinidis und für die von Jascha Heifetz nach Gershwins Oper „Porgy and Bess“ erstellte Suite, die zum beschwingten Finale erklangen. Dem begeisterten Applaus ließ das Duo ein Arrangement des Ohrwurms „Après un rêve“ von Fauré folgen.
(han)